Taktisches Schwimmen
Achtung Witz ?
Also es ist nun mal Fakt, dass ich auch überwiegend sitzend mein Geld verdiene. Und da bleibt der Kampf gegen das Gewicht und für die Figur. Ich würde mich zwar nicht als eitel bezeichnen, aber es ist schon unbequem, wenn man einige Stunden im Autositz verbringt und man sich einfach unwohl fühlt. Also auf ans Werk.
Ich schwimme eigentlich sehr gerne und lange. Wenn ich es schaffe, ins Schwimmbad zu gehen, dann bleibe ich aber auch meist ne Stunde oder mehr drin und schwimme je nach Laune zwischen einem und drei Kilometer. Also ein klassischer "Bahnenzieher".
Da wird der Kopf richtig frei, ich kann nachdenken, träumen und einfach abschalten, wenn das Atmen und schwimmen geht fast von alleine, wenn ich keine "Zeit" schwimmen will. Problem sind dabei nur immer die "Hindernisse", im Wasser, also alle Mitschwimmer.
Da kann ich eigentlich drei Personengruppen unterscheiden
- Aktive Schwimmer
Leute die ebenfalls ihre Bahnen ziehen, meist langsamer, manchmal auch schneller. - Die Bader
So bezeichne ich mal die Leute die sehr langsam schwimmen. teilweise quer über Bahnen hinweg oder als Gesprächsrunde über mehrere Bahnen breit. - Die Kiddies
Darunter fallen alle Leute, die sich nun gar nicht an eine Verkehrsregel oder gar die Beschilderung am Beckenrand halten und nach Lust und Laune ins Wasser springen, quer schwimmen oder im Wasser "stehen". Was eben Kinder so machen.
Mit diesem Wissen ist es nun an der Zeit taktisch an die Aufgabe "Schwimmen" heranzugehen, da ich in keinem Verein aktiv bin und damit eine "abgesperrte Bahn" nicht vorhanden ist.
Ideal wäre es ja, wenn die Schwimmer gemäß ihrer Natur und Geschwindigkeit gemeinsam Bahnen nutzen würden. Es ist kein Problem auch mit acht Leute auf einer Bahn zu schwimmen, solange man immer im Kreis (recht der Markierung) schwimmt. Die Realität ist eine andere.
Daher gibt es zu überlegen, wie, wo und wann man schwimmt und wie man sich den notwendigen Freiraum verschafft, ohne andere zu verärgern.
Zeit
Da wäre zum ersten die zeitliche Optimierung. Je nach Hallenbad, Saison und Einwohnerstruktur gibt es drei optimale Zeiten.
früh morgens
Für ein Schwimmen in der Früh sprechen einige Faktoren. Zum einen wird man dadurch richtig wach und einige Schwimmbäder haben für Frühschwimmer vergünstigte Preise. Auch spart man sich damit das Duschen im heimischen Bad. Einige Bäder erlauben das schwimmen ab 6:00 Uhr und damit vor der Arbeit. Übrigens ist früh morgens auch die Wasserqualität am besten.
Dafür ist die Altersstruktur ziemlich ungeeignet, wenn bis auf einige ebenfalls junge Frühschwimmer/innen sind die meisten Personen älter. Ist es im Alter wirklich so schwer zu schlafen ?. Das früh aufstehen ist auch das größte Hindernis dieser Zeit.
Mittags
Ein weiteres Zeitfenster ist gegen 11:00 bis 12:00. In der Zeit sind besonders im Sommer die Freibäder eher weniger besucht, da die Familien schon zur Mittagszeit daheim sind, bzw. Einkaufen und Kochen angesagt ist. Schulkinder sind noch nicht daheim und selbst wenn, ist die erste Spielwut im Wasser erschöpft. Auch sind kaum noch ältere Personen im Wasser, da die zunehmen Kinder vermutlich verdrängend wirken.
Aber leider kann man sich nur selten um diese Zeit "mal frei" nehmen um zu schwimmen. Irgendwie muss auch ich mein Geld verdienen.
vor Torschluss
Bleibt also noch die Stunde vor Badeschluss. Viele Familien und Badegäste sind hier schon auf dem Weg nach Hause, da der Tag ja wirklich lange gewesen ist und vielleicht auch die Sportschau oder eine der Daily Soaps (GZSZ und andere) ruft.
Nachteilig ist, dass hierbei das Wasser meist schon sehr trübe und warm ist. Es gibt zudem immer wieder einige Nachzügler oder Halbstarke, die sich einen Spaß daraus machen wollen, Bahnenschwimmer zu stören.
Wetter
Eine wichtige Entscheidung bei der Wahl der Zeit ist natürlich auch das Wetter. Beim Hallenbad ist das fast egal, wobei natürlich die Verkehrsdichte höher erscheint, wenn draußen wirklich Mistwetter ist. Grade Familien verziehen sich dann eher in die Wärme des Hallenbads.
Freibäder sind per Konzept sehr wetterabhängig. Wenn es brütend heiß ist, dann ist auch in den Freibädern alles voll und an ein konzentriertes Schwimmen nicht zu denken. Aber sobald ein etwas stärkerer Wind geht oder weniger Wolken die Sonne nicht mehr durchlassen, oder gar etwas grau erscheinen, lichten sich die Reihen radikal. Grade nach einem Regenschauer oder wenn mehrere Tage keine "30 Grad und mehr" gemeldet sind, verdrängen viele wohl einfach das Freibad. Wobei genau dann die Bedingungen optimal sind. Das Wasser ist so klar, dass man über 50 Meter erkennen kann, wer am andere Beckenrand schwimmt. Je länger aber die "kühlen" Tag anhalten, desto kälter wird natürlich auch das Wasser. Diese Verluste kann man nur mit hohen Kosten wieder aufheizen. Also muss man schon etwas Nehmerqualitäten besitzen, um dann noch einige Kilometer zu schwimmen. Aber der Schlaf danach ist herrlich tief :-). Also wer immer Probleme mit Schlafstörungen hat: Schwimmen im kühlen Nass.
Einzig wenn es gewittrig ist oder so stark regnet, dass sogar der Bademeister die langen Hosen anhat, dann sollte man nicht mehr Schwimmen und dem Herrn auch einen früheren Feierabend wünschen.
Platz
Bleibt noch die Frage, wo ich schwimmen sollte. Wenn man von Seen und freien Gewässern absieht, wo es eh kein Links, Mitte oder Rechts gibt, kann man im Schwimmbad meist zwischen mehreren Bahnen wählen. Unterscheiden kann man dabei eigentlich nur die Außenbahn und alle anderen. Die Außenbahn hat den Vorteil, dass Schwimmergruppen nicht stören und gestört werden. Dafür gibt es aber immer Schwimmer, die am Rande bleiben, weil sie sich unsicher fühlen. Daneben hängen natürlich immer noch einige Füße in der Wanne und einspringende Personen sind weitere Risiken. Als Kraulschwimmer ist die Bahn aber recht gut geeignet, besonders abends, da geringe Störungen zu erwarten sind und die verbliebenen Störer nach einigen konsequenten Bahnen das Becken verlassen.
Aber auch die mittleren Bahnen haben ihren Reiz. Vielleicht fügt es sich, dass einige schnellere Schwimmer zusammenkommen und dann ein zwei Bahnen nebeneinander "belegt" sind. Hier ist ein Einfädeln optimal. Das Becken wird in zwei Teile getrennt und alle anderen Schwimmer bleiben alleine von den "Überholspuren des Schwimmbeckens" weg.
Sind jedoch nur wenige Bahnenathleten unterwegs, bleibt nur das einordnen in die Schlangen oder das Nutzen von Freiräumen. Auch hier helfen konsequent geschwommene Bahnen, dass ich selbst kalkulierbar werde und damit die eine sinnvolle Verteilung für alle Seiten einstellt.
Sollte aber als Trennung zweier Bahnen eine Styroporreihe auf dem Wasser liegen, dann bietet sich ein Schwimmen entlang dieser Strecke an. Diese imaginäre Mauer sorge dafür, dass "Bader" einen Abstand einhalten und damit ein Freiraum entsteht. Die Kiddies tummeln sich zwar häufig um und auf dieser Begrenzung, aber nach einigen Bahnen sind die Fronten geklärt und dem Vergnügen steht nichts mehr entgegen.
Stil und Verhalten
Sind Kinder ein Ärgernis ?. Eigentlich nicht, solange niemand gefährdet wird. Wasser ist beim Schwimmen nicht gefährlich, da es weder scharf noch heiß ist und auch sonst keinen Verletzt. Etwas Wasser verschlucken ist nicht gefährlich und auch beim Spiel die Regel. Leider vergessen viele die Gefahr, wenn Körper auf Körper prallt.
Bis zu einem gewissem Grade kann man ausweichen, aber es ist nur bedingt möglich, gerade bei trübem Wasser, vorauszusehen und quer schwimmende Personen oder gar einspringende Personen sind nichts zu erkennen. Die blinde Phase beim Kaulen kann durchaus 3-4 Meter betragen, wenn der Kopf auf die Seite gedreht ist. Und dann knallt es auch mal.
Die meiste Angst ist wirklich, dass jemand auf mich springt, und auch 20- oder 30 kg "Körper" können eine Rippe oder Wirbel brechen. Aber dagegen kann man sich kaum schützen, außer nicht zu schwimmen.
Permanentes Rücksichtnehmen und penibles Ausweichen versaut aber nicht nur den eigenen Rhythmus, sondern provoziert geradezu ein Stören und ich fühle mich nur ungern als "Spielzeug" missverstanden. Daher hat es sich am besten herausgestellt, konsequent seine Bahnen zu schwimmen, weil Störer dann schnell die Lust verlieren und einfach zurückweichen und ich selbst andererseits "kalkulierbar" bleibe für die anderen Schwimmer. Wenn ich ausweiche kreuze ich die Bahn andere Schwimmer und so fort. Also "stur geradeaus schwimmen" ist meiner Meinung nach die beste Wahl.
In diesem Sinne. Wenn ihr mich mal schwimmen seht, einfach dranhängen. Gemeinsam macht es zudem viel mehr Spaß.
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