Religion, oder glauben heißt nicht wissen
Ich habe eine geteilte Meinung über Religion und Kirche.
Auf der einen Seite weiß ich natürlich, dass eine Gemeinschaft von Menschen auf gemeinsamen Grundregeln aufbauen muss, damit diese funktioniert. Als Beispiel seien hier die christlichen Gebote und allgemein der christliche Grundgedanke genannt. Auf der anderen Seite gibt es aber auch dunkle Flecken in dieser Frage, die ebenso nicht unter den Teppich gekehrt werden können. Lassen Sie sich also nicht von dem teils lockeren oder provokativen Ton abschrecken und lesen Sie wenn schon dann bis zum Ende..
Immer wenn wir als Menschen etwas nicht erklären können, bauen wir uns Ersatzgebilde, die uns bei der Akzeptanz helfen sollen. Nur mit der fortscheitenden Forschung in allen Bereichen werden immer mehr alte Überlieferungen durch Fakten ersetzt.
- Die Erde ist keine Scheibe, sondern eine Kugel. Es halt lange und viele Ketzer gebraucht, bis die Kirche diese Wahrheit akzeptiert hat.
- Auch gab es vermutlich nie Adam und Eva, sondern der Urknall und die Bildung der Erde und Galaxien scheint recht plausibel erklärbar geworden sein. Womit sich aber wieder die Frage stellt, was was "vor" dem Urknall. Und wenn sich das ganze Universum immer noch ausdehnt, dann stellt sich mir die Frage, das denn "dahinter" ist, also dort, wohin noch keine Bruchstücke der großen "BUMM" hingeflogen sind. Vermutlich sind wir einfach alle zu begrenzt in unserer Vorstellungskraft, um auch darauf antworten zu finden. Ob und die Zeit bleibt, diese noch zu finden, ist aber ebenso fraglich, ob wir je die Antwort wissen wollen.
- Nicht nur das Mittelalter war eine der dunklen Zeiten für die Funktion diverser Personen im Zeichen des Kreuzes. Ich erinnere mich heute mit schmunzeln daran, als meine Religionslehrerin auf die provokative Frage ob Selbstbefriedigung schädlich sei, nur darauf antworten konnte, dass der Verlust von Eiweiß und anderen Inhaltsstoffen auf Dauer für den Körper schädlich sein könnte. Dem ist nichts mehr hinzuzusetzen.
- Diverse Verhalten der heutigen "Kirche" sind mir immer noch etwas suspekt. Sei es die Haltung gegen Verhütung oder Abtreibung ebenso wie die Vorschrift des Zölibats. Ich denke damit wird zu stark in die Privatsphäre jedes Menschen eingewirkt.
Es gab noch mehrere Dinge, die ich einfach nicht verstanden habe und die mich dazu bewogen haben, etwas Abstand zur offiziellen Kirche zu halten. Nur was die einen als "Austritt" gerne bezeichnen, würde ich so nicht bezeichnen. Ich habe vor langer Zeit nur erklärt, dass ich nicht damit einverstanden bin, dass das Finanzamt stellvertretend einen Betrag meines Einkommens abzweigt. Als selbständiger Mensch entscheide ich auch frei, wen ich wie unterstütze. Wenn ich mich für etwas engagiere, etwas fördere oder für etwas einstehe, dann kann ich das nicht in Markt und Pfennige oder Stunden und Minuten festmachen. So gibt es Institutionen, Vereinigungen und anderes, für dich ich sehr große Opfer bringe; mehr als ich je an Kirchensteuer zahlen müsste.
Aber ich heiße die in der Welt wohl einzigartige Verzahnung von Kirche und Staat nicht gut. Auch wenn ich aktuell keine Kirchensteuern zahle, was gar nicht mal als "endgültig" zementiert ist, bezeichne ich mich als christlichen Menschen, der die Grundwerte der Gesellschaft und der Überzeugung achtet und hochhält. Ich würde mich daher auch nicht als "gottlos" oder heidnisch bezeichnen, auch wenn das andere Personen, die schon fast demonstrativ in die Kirche gehen, das manchmal tun. Ich habe aber auch gelernt, dass es Personen gibt, die an Dinge glauben und wie selbstverständlich in die Kirche gehen als ein Ort der Zusammenkunft Gleichgesinnter. Damit habe ich dann auch kein Problem.
Sie merken vielleicht, dass ich keine Unterscheidung nach Katholisch, Evangelisch, usw. mache. Ebenso gibt es kein schwarz und kein Weiß, also keine Entweder Oder Ansichten.
Ich kenne aber doch Leute, die nicht mehr mit der Kirche oder ihrer Handlungsweise übereinstimmen, aber trotzdem nicht austreten. Denn auch in dörflichen Gemeinschaften kann ein Austritt als Ausstoß wirken. Ein "gottloser" Bäcker verzeichnet Umsatzeinbrüche; Projekte, bei denen Geistliche mitwirken, werden einfach anders abgewickelt. Tägliche Praxis ist hierbei z.B. Personalpolitik in "kirchlichen" Kindergärten oder anderen Institutionen. Unsere Verfassung garantiert, dass niemand aufgrund seiner Rasse, Geschlecht, Religion etc benachteiligt wird. Aber bei bei einem kirchlichen Arbeitgeber beschäftigt ist, für den ist der Austritt schon die Benachteiligung im Job. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Wo ist dann noch der Unterschied zu anderen Praktiken, wenn jemand z.B. das richtige Parteibuch haben muss um bestimmte Funktionen zu bekleiden ?.
Nicht einer Kirchengemeinschaft anzugehören, bedeutet jedoch nicht automatisch, keinen Glauben zu haben. Ich habe schon meine eigenen Grundsätze, nach denen ich lebe und mein Leben gestalte. Auch ohne Pfarrer und Segen gibt es Dinge, die ich einfach verinnerlicht habe. So nehme ich durchaus in Anspruch, die Gebote der Kirche, z.B. "Du sollst nicht töten" zu berücksichtigen. Aber nichts ist von Dauer und schon der Begriff "Militärpfarrer" zeigt den Knoten in der Denkweise.
Ich achte und respektiere den Glauben von Menschen an bestimmte Dinge und Einstellungen, unabhängig, ob dies nun einen offizielle und durch steuern finanziert Staatskirche ist oder eine andere Glaubensgemeinschaft. Höher als jede Religion steht für mich das Zusammenleben der Menschen untereinander und nicht die Separierung in Kreise, die sich möglichst noch räumlich abtrennen.
Es gibt auch noch weitere Religionen in der Welt, (Islam, Hinduismus, Buddhismus, Judentum und viele mehr). Keine ist besser oder schlechter als die andere sondern ein Spiegelbild der Bevölkerung und deren Einstellung zum Leben. Alle haben versöhnliche Bestandteile aber ich würde auch keine als "extremer" bezeichnen. Mag sein, dass hier in der christlichen Welt vorbehalte gegen den Islam und Allah bestehen oder gegen Juden. Nur ich bin mir sicher, dass es umgekehrt genauso ist. Und wer von hier nach Israel mit dem Finger zeigt, um den Kampf zwischen Juden und Palestinänser zu kritisieren sollte einfach mal nach Nordirland schauen. Alle Menschen haben den Wunsch, ihr leben nach eigenen Wünschen zu gestalten und müssen mit Nachbarn auskommen. Und genau dies regelt die Auffassung vom Leben.
Manchmal können sie mich auch in einer Kirche finden. Auch wenn Sie es kaum für möglich halten würden.
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