Ladenschluss und Ressourcennutzung
Ich habe ja schon auf der Seite USA einiges geschildert, aber so ganz kann ich unsere strenge Regelung nicht verstehen.
Früher waren unsere Läden von 9 bis 17:00 auf, einige auch bis 18:30. Dann kam der Dienstleistungsabend" am Donnerstag mit Öffnungszeiten bis 20:00 Uhr. Was ist das für eine Dienstleistung, die auf bestimmte Zeiten festgelegt ist ?
Mittlerweile löst sich die Problematik etwas, da viele Läden bis 20:00 auf haben. Auch die Tankstellen sorgen für eine umfangreiche Grundversorgung und alle Gewerbetreibenden haben dann ja noch ihren METRO, der bis 22:00 Uhr offen ist.
Schaut man mal nach England oder gar über den Teich, dann wird man feststellen, dass der Mensch durchaus auch "anders" arbeiten kann.
In England gibt es auch in den Städten die kleinen "Tante Emma"-Läden, die eben 24h offen haben. Da ist auch Nachts betrieb und sie tragen sich auch. Und das, obwohl auch die "großen" Märkte lange offen haben. Wenn man den Begriff "Dienstleistung" zu Ende denkt, dann wird in Zukunft aber auch hier das Internet die Situation verändern. Es wird nicht mehr lange dauern und ich sende per Internet meinen Agenten los, meine Bedürfnisse zu befriedigen. Das muss keine stumpfe Bestellung sein, sondern ein "Einkäufer" handelt in meinem Auftrag und wenn seine "Arbeitsweise" und mein Geschmack zusammenpassen, wird er weitere Aufträge bekommen. Das ist wie in meinem Business. Wenn ich mit jemandem zu tun hatte, der eine gute Arbeit abgeliefert hat, werde ich ihn in Zukunft auch wieder beauftragen. Dass mein Agent die Waren dann zu bestimmter Zeit bei mir abliefert, rundet das alles ab. Der Preis wird das schon abdecken. Schaut euch die Pizzabringdienste an, welche schon ab einem geringen Warenwert ohne Aufpreis liefern.
Aber es gibt noch einen ganz anderen Aspekt für lange Öffnungszeiten:
Lange Öffnungszeiten führen zwangsläufig zu einer besseren Ausnutzung der Ressourcen und Entspannung der Spitzenzeiten. Vergleicht mal einen Betrieb mit fester Zeit und Gleitzeit. Feste Zeiten bedeutet, dass alle Leute zur gleichen Zeit an die gleiche Stelle müssen. Parkplatzeinfahren, Zubringerbusse, Steckuhren, sogar Werktore müssen für diese kurzfristige Spitzenlast ausgelegt sein. Und daher ist dann auch zwischen 17:30 und 18:30 Uhr der Teufel los in der Einkaufspassage. Alle zur gleichen Zeit. Wartezeiten an der Kasse, leere Obstregale, gestresste Verkäufer, die zum Warenauffüller degradiert werden, anstatt zu beraten und zu helfen.
Und für all diese Menschenmengen muss auch der Quadratmeter bereitgestellt werden. Faktisch heißt das, dass die Supermärkte größer und weitläufiger angelegt werden müssen, dass mehr Parkplätze, mehr Einkaufskörbe notwendig sind und oft einfach mehr Märkte in die Landschaft gebaut werden. Ich denke ein Markt könnte auf der Fläche die gleiche Warenmenge umschlagen wie zwei Märkte, wenn nur die Öffnungszeit breiter wäre und die Menschen besser "verteilt" anströmen würden. Ich würde sogar weiterhin sagen, dass dadurch keine Person entlassen werden müsste, da die Schichten weiter besetzt sein müssen, die Waren müssen ins Regal und und und. Aber das Einsparungspotential für Heizung, Fläche etc dürfte entweder den Gewinn des Unternehmens mehren (und damit auch die Steuern) oder die Preise senken.
Haben Sie schon mal nachts um 24:00 Uhr eingekauft ? Versuchen sie es mal. (Natürlich nicht in Deutschland)
Da gibt es dann nur noch ein Problem: Der Mensch und seine verwöhnte Umgebung. Heute sind Arbeitszeiten vor 6:00 Uhr und nach 20:00 Uhr schon wieder durch Arbeitsverträge und "weil es einfach so ist" als besonders unangenehm definiert und damit durch Zuschläge abzugelten. Fragt denn jemand all die anderen Leute, die sich Nächte um die Ohren schlagen, um auch Nachts das Funktionieren unserer Gesellschaft zu erreichen (Strom, Wasser, Telefon, Gesundheitswesen). Ja auch da werden Zuschläge etc bezahlt, aber ist das wirklich richtig so ?
Ich kenne das noch von meinem Opa und auch heute aus meiner Tätigkeit. Es ist vielleicht auch eine Eigenschaft, sich nicht auf Zeiten zu fixieren und dann zu arbeiten, wenn die Arbeit da ist, ob das nun bei mir eine Serverinstallation oder Umstellung in den späten Abendstunden oder Nachts ist, oder ob das früher das Einbringen der Heuernte war, wenn der Regen schon am Himmel hängt.
Vielleicht sind ja gewisse Zuschläge möglich, aber wenn jemand die Wahl hat zwischen Abends arbeiten oder nicht arbeiten ??.
Vielleicht ist heute noch nicht so der Druck da, sich für die Arbeit zu entscheiden, aber wäre es nicht notwendig ?
Ich bin für eine völlige Freigabe der Öffnungszeiten. Konsumiert wird eh das gleiche und wenn sich die Situation am Wühltisch entspannt, ist allen gedient.
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