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Bundeswehr

Natürlich habe ich eine Meinung zur Bundeswehr. Ich bin durchaus davon überzeugt, dass einer militärische Organisation in einem Land sinnvoll und notwendig ist. Schließlich kann es immer Situationen geben, in deinen ein Rückgriff aus organisierte und mobile Hilfen notwendig wird. Das müssen nicht sofort Kriege oder Konflikte sein, aber auch im humanitären Einsatz, Katastropheneinsatz etc sind Soldaten sehr gut einzusetzen.

Soldat als Beruf

Aber jeder, der zur Bundeswehr geht, sollte wissen, dass die ein Beruf ist, und dass dazu auch der Einsatz des eigenen Lebens gehört, wenn dies für die Allgemeinheit notwendig ist. Leider habe ich aus meiner eigenen Erfahrung bei den dunkelgrünen Jungs eher den Eindruck, dass die Tätigkeit beim Bund eine einfache und bequeme Art ist, ein sicheres Einkommen nach Hause zu bringen. Mich würde wirklich mal interessieren, wie viele Zeitsoldaten im Falle eines Falles ihre Pflicht ausüben würden. Gemäß meine Denkweise sehe ich die Bundeswehr als ein Dienstleistungsunternehmen an, welches mir ähnlich zu Polizei und anderen Institutionen "Sicherheit" bietet. Dafür bezahle ich einen Teil meiner Steuern, um diese Organisation zu unterhalten.

Mein Wehrdienst

Ich selbst kann mit mit dem Soldatentum weniger anfreunden und auch in den 15 Monaten des Zwangsdienstes habe ich die Bundeswehr nicht gerade lieben gelernt. Aber Sie hat durchaus einige Erfahrungen gebracht, die für den ein oder anderen sicherlich hilfreich sein.

Heute würde ich nie wieder mich zum Wehrdienst zwingen lassen, aber damals hatte ich nur die Wahl, 15 Monate zu leisten und unter Aufsparung aller Urlaubstage und Leisten von Zusatzdiensten die Wehrzeit zu verkürzen, um meine Berufsausbildung beginnen zu können. Natürlich sichert mir das Recht zu, dass durch den Wehrdienst/Ersatzdienst niemand benachteiligt werden darf, aber selbst wenn ich dann einfach ein Jahr später angefangen hätte, wäre ich ca. 9 Monate "in der Luft" gehangen. Heute ist das nicht mehr so extrem, da die Verkürzung diese Situation entspannter hat.

Aus heutiger Sicht sehe ich die 15 Monate als extreme Ausnutzung einer Arbeitskraft ohne entsprechenden Gegenwert. Bezogen auf meine persönliche Situation, entweder Wehrdienst (mit Urlaub auf 13,5 Monate verkürzt) oder Zivildienst (und dann 10,5 Monate auf den Start der Ausbildung im Folgejahr warten) würden einige Leute dies sogar Erpressung nennen.

Wehrdienst - Ersatzdienst

Faktisch bedeutet die ungleiche Länge der Dienstes für den Staat eine Degradierung der wehrfähigen Personen, die aus Gewissensentscheidung den Wehrdienst verweigern. Ich achte solche Personen sehr, da sie sich zu diesem frühen Zeitpunkt schon Gedanken über ihren Werdegang gemacht haben und bereit waren, eigene Entscheidungen zu treffen und zu vertreten und auch durch persönliche Nachteile konsequent geblieben sind. Ich wäre froh, zu dem damaligen Zeitpunkt schon die notwendige Reife gehabt zu haben. Das Wort Drückeberger würde ich eher auf die Personen verwenden, die warum auch immer nicht "gezogen" wurden oder ein T5-Einstufung "geschafft" haben. Als wenn jemand mit T5 nicht auch eine vergleichbare Funktion ausfüllen könnte. Schließlich führen die meisten auch ein eigenes selbstversorgtes Leben.

Wehrgerechtigkeit - Soziales Jahr

Damit sind wir aber schon beim Lieblingsthema 2000. Der Abschaffung oder Verkürzung der Wehrpflicht und wie die damit verbundenen "Probleme" bewältigt werden können.

Ich selbst bin für die komplette Abschaffung der Wehrpflicht. Auch wenn Fachleute sagen, dass eine Berufsarmee "teuerer" ist, dann ist das umgekehrt nur die Bestätigung der Aussage, dass Wehrpflichtige "billige Arbeitskräfte" sind. Auch die damit verbundene Abschaffung des Zivildienstes und dem Wehklagen der entsprechenden Institutionen ist eine Bestätigung, dass auch hier die Wehrpflichtigen als billige Kräfte ein System subventionieren, anstelle die realen Kosten zu zeigen. Und versteckte oder verfälschte Kalkulationen sind etwas, was ich gar nicht möchte, da es sehr nah an Mauscheleien, Betrügereien oder versteckter Vorteilsnahme dran ist. Dann lieber die realen Kosten und Aufwendungen offen legen und der Allgemeinheit diese plausibel erklären. Wo ist der Unterschied, ob jemand "billig" über den Wehrdienst arbeitet oder er ein Jahr früher in seiner Ausbildung beginnt und damit anderweitig einen Nutzen für die Gesellschaft erbringt.

Mit der Wehrpflicht  werden meiner Meindung nach Personen zu Tätigkeiten verdonnert, die sie eigentlich nicht tun wollen. Schlicht: Es ist nicht ihre Berufung. Die Unterschieden in der Chancengleichheit zwischen Wehrpflichtigen, Zivis, nicht gezogenen und ausgemusterten Personen sind eh ein anderer Thema.

Sollte unsere Gesellschaft überlegen, eine gemeinnützige Tätigkeit für junge Menschen vorzuschreiben, dann sollte diese für alle geltend sein. Es wäre zu definieren, welche Tätigkeiten auszufüllen sind und welcher Personenkreis diese ausführen kann. Es gäbe keinen Grund mehr für eine Musterung und Klassifizierung von Menschen, wenn bis auf selbst pflegebedürftige Menschen kann jeder irgendwie einen gemeinnützigen Dienst ausführen. Dabei wäre die Dienstzeit pauschal einfach identisch für alle Dienste und auch die Vergütung festgeschrieben. Damit wäre auch ein weiterer Schritt im Bezug auf die Gerechtigkeit getan, denn wenn Sie die Zahlen der Wehrpflichtigen Sehen und dagegen die Zahlen der Schulabgänger, dann können sie ermessen, wie viele Personen durch das Raster schlüpfen.

Weg mit der Dienstpflicht

Daher wäre es das Beste, die Wehrpflicht einfach abzuschaffen. Dann weiß jeder woran er ist. Die Kosten wären transparent und erkennbar. Vollarbeitsplätze in den Kasernen und Krankenhäusern wäre gesichert. Keine versteckten Quersubventionierungen und klare Bedarfsplanungen in Heer, Marine, Luftwaffe und am Krankenbett. Und die Organisationen müssen endlich auch den Leistungsgedanken etwas mehr fördern und sich entsprechend interessant machen.

Frauen und Dienst ?

Eigentlich wäre es im Sinne der Gleichberechtigung auch eine Forderung, dass Frauen ebenso einbezogen werden. Auf der anderen Seite zeit die Praxis, dass viele Frauen eh schon sozial tätig sind, bei der Kindererziehung die tragende Rolle spielen und auch im Alter eher eine Funktion übernehmen. Aber genau genommen muss ich mich gar nicht dazu auslassen, ob Frauen "dienstpflichtig" sind, denn ich plädiere ja für die Abschaffung der Dienstpflicht). Aber selbst wenn dies nicht Realität wird, sollten Frauen ein Recht auf die Ableistung eines Dienstes, egal welcher Art haben. Also wenn eine Frau unbedingt Panzer fahren will habe ich nichts dagegen. Und die hohen Herren die gerne von "mangelnder körperlicher Eignung" sprechen, sollten sich überlegen, ob sie selbst noch geeignet sind. Zwar mag der Körper noch funktionieren, aber der Geist muss auch den Wandlungen der zeit gewachsen sein.

Alles in Kürze

Daraus folgt, dass nur eine allgemeine "Dienstpflicht" oder keine Wehrpflicht die Situation ausgleichen könnte. Und da es sicher keine Dienstpflicht geben wird, sollte die Wehrpflicht schnellstens abgeschafft werden.

Da ist die nachträglicher Verweigerung, die logische Konsequenz. Ich habe einige Jahr gebraucht, um für mich diese Entscheidung zu fällen und auch durchzustehen. Aber dafür habe ich nun wenigstes jetzt meine Ruhe.


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