Abschreiben oder abgeschrieben ?
Abschreiben, wie, was, wie viel ? Das ist ein echt kniffliges Thema, oder wird es einfach nur unnötig kompliziert. Je mehr ich darüber nachdenke, desto suspekter wird mir die Geschichte.Habe ich anfangs noch gar nichts verstanden, so dürfte ich mittlerweile die Standardregeln gelernt haben. Trotzdem bleibt mir vieles unklar, und je mehr ich drüber nachdenke, desto bestehender ist meine Idee. Aber lesen Sie selbst:
1994 - Frank Carius macht sich selbständig.
Und wie es sein muss, mache ich die ersten Erfahrungen mit GWG (geringwertigen Wirtschaftsgütern, alles unter 800 DM). Alles was drunter ist, muss man nicht aktivieren und abschreiben. Allerdings muss man angeblich Software trotzdem aktivieren und am Ende des Jahres komplett abschreiben. Da das aber rein finanziell keinen Unterschied macht und meine Software das eh nicht kann, habe ich das vereinfacht und einfach als Ausgabe gebucht. Ich habe nur keine Liste der Anlagengegenstände bis zum Jahresende. Aber das ist zu verkraften.
Die Abschreibung soll den Wertverlust eines Gegenstandes oder Betriebsmittels wiedergeben. Schließlich mache ich ja keinen Verlust, wenn ich ein Betriebsmittel verkaufe, sondern nur der Wertverlust über die Jahre sind eine Ausgabe.
Irritierend dabei ist für mich aber die Tatsache, dass bei dieser Betrachtung eine Firma auf dem Konto keine Mark Gewinn machen kann, aber in den Büchern trotzdem einen Gewinn ausweisen muss, da die Betriebsmittel ebenso mit eingehen. Sie muss daher auf diesen nicht real vorhandenen Gewinn sogar noch steuern bezahlen. OK, natürlich kann ich als Firma nun einen Kredit aufnehmen und eben diese Werte beleihen. Aber sehen Sie mir nach, dass ich eher konservativ denke und am Anfang nicht sofort in die Kreditfalle laufen möchte.
Aber irritierend ist dies schon, da es de facto ein Investitionshindernis darstellt oder sollte unser Staat eine Vereinbarung mit den Banken haben, die Firmen in deren Hände zu treiben ? Man könnte es fast meinen.
1999 - Abschreibung verstanden ?
Nun habe ich schon fünf Jahre hinter mir und in der Zwischenzeit sind einige Gegenstände durch die Buchhaltung gelaufen. Mittlerweile ist es nicht mehr so "eng", wie dies bei dem Kauf der Grundausstattung gewesen ist. Im ersten Jahr war es wirklich so, dass die Anschaffungen den Gewinn gefressen haben und trotzdem Steuern für "Gewinn" angefallen sind. Na ja wenn das jemand als günstige Startup Voraussetzungen beschreiben will. Aber ich habe es ja so gewollt und in der ganzen Ausbildung von Schule bis zu Studium wurde das eigentlich nie richtig angesprochen. Oder wollte ich es nur nicht hören ?. So wird Deutschland wie ein Land der Selbständigen.
Egal, mittlerweile gehören PCs und Fahrzeug zur Ausstattung.
Aber wenn ich ehrlich bin: Wenn ein Gegenstand unter 800 DM kostet wird er mir schon viel sympathischer. Ich hab einfach weniger Arbeit in der Buchhaltung damit, denn eigentlich will ich ja das machen, was mit Spaß macht, und anderen am meisten hilft. Aber zum outsourcen der Buchhaltung kann ich ich nicht entscheiden, sonst weiß ich ha nicht mehr, wie es um mich steht. Außerdem vertrete ich die Meinung, dass eine so "einfache" Geschäftsführung nicht so schwer sein darf, wie es erscheint.
Allerdings gibt es immer noch massenhaft unklare Dinge. Bisher frage ich einfach mein Finanzamt. Schließlich müssen die es ja wissen.
Allerdings ist es nicht immer leicht zu erklären, warum ein PC unter meinen Händen keine drei Jahre hält und warum eine Speicheraufrüstung oder ein DAT-Laufwerk eben nicht einem speziellen Gegenstand zugeordnet werden kann und daher nicht den Restwert erhöht.
2xxx - Ideen und andere Ansätze
Sie können nun herzlich lachen, es als Witz abtun oder meine Blauäugigkeit bewundern, aber was halten Sie von folgenden Überlegungen:
Aus den bisherigen Erfahrungen kann ich doch nur sagen, dass die bisherige Abschreibungspraxis zwar logisch scheint, aber eigentlich Investitionsfeindlich ist. Eventuell kann man auch "bankenfreundlich" sagen, wenn Unternehmen letztlich Geld aufnehmen müssen, um Steuern für Gewinne der Buchhaltung zu entrichten, die gar nicht mehr als Barmittel vorhanden sind.
Schon mal überlegt, in diesem Fall die Steuern solange zu stunden, bis die Anschaffung auch wirklich etwas erwirtschaftet ?. Schließlich wird durch die Anschaffung der Gewinn des Lieferanten erhöht und so mit Steuern belastet. Und wenn der Gewinn beim Käufer eben über die Jahre gemehrt wird, wird so dann auch die Steuer fällig.
Warum kann man daher nicht einfach den ganzen Abschreibungskrampf vergessen ?. Eigentlich ist es doch nur ein Umschichten von Geldvermögen in Anlagevermögen. Wo ist der Unterschied zwischen einer Dienstleistung von mehreren Tausend DM und einem Server in der gleichen Höhe ?.
Unterm Strich würden die gesamte Verwaltung vereinfacht werden, alle Fragen zu Abschreibungsregeln, Zeiträumen, Werterhöhungen, Restwertverlängerungen etc. würden einfach entfallen. Aber vermutlich scheitert dieses Ansinnen schon am System, Wer schafft schon gerne seinen Arbeitsplatz ab und legt sich mit der Lobby der Finanzbehörden an ?.
Also wird sich mein Finanzamt weiter die Fragen zur Abschreibung bestimmter Gegenstände gefallen lassen müssen.
www.carius.de

